Arzneipflanzengärten in Europa - eine lange Tradition
Um 825 legte der Abt Walahfrid Strabo (808-849) im Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau/Bodensee einen Arzneipflanzengarten an, der bis heute existiert. Sicher hat Strabo nicht geahnt, wie wichtig sein Garten für die Medizingeschichte Mitteleuropas werden würde. Von Reichenau aus verbreiteten sich etliche mediterrane und morgenländische Pflanzen über die Klostergärten nördlich der Alpen. Pflanzen, wie die Artischocke, Rosmarin, stechender Mäusedorn oder Süßholz sind heute vollkommen in unseren Arzneischatz integriert. Das durch Jahrhunderte alte Erfahrungen überlieferte Wissen konnte zwischenzeitlich vielfach durch medizinisch-wissenschaftliche Untersuchungen belegt werden.
Reichenau und alle anderen Klostergärten des Mittelalters dienten der medizinischen Nutzung. Der Hortulus des Klosters war aber immer auch ein Ort des Betrachtens, des Lernens und der Wissensbewahrung. Seit der Renaissance sind auch reine Lehr- und Schaugärten bekannt. Im berühmten Botanischen Garten zu Leyden waren im 16. Jahrhundert über 300 Arzneipflanzen ausgestellt. Die kunstvoll gestalteten Kräuter-
bücher dieser Zeit sind bis heute wichtiger Ausgangspunkt für moderne medizinisch-wissenschaftliche Untersuchungen an Arzneipflanzen und pflanzlichen
Arzneimitteln.
Durch großes Engagement sind an vielen Orten in Deutschland neue Arzneipflanzengärten entstanden oder historische Gärten restauriert worden Sie überzeugen durch ihre Pflanzenvielfalt, ihre Architektur, die oft mit viel Aufwand zusammengetragenen Informationen, ihre spezielle Thematik oder einfach durch die berauschende Vielfalt ihrer Farben und Düfte.
Als eine Art „open-air-Bibliothek“ der Pflanzenheilkunde wurzelt der Neue Apothekergarten Ulm in der langen Tradition der Arzneipflanzengärten. Durch Einbeziehung der modernen Arzneipflanzenforschung und durch ein neuartiges Lehrkonzept werden wegweisende neue Akzente für die Wissensvermittlung im Gesundheitswesen gesetzt.
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