Arzneipflanzen - Nicht alle sind empfehlenswert!

In unserem Arzneischatz finden sich annähernd 200 Arzneipflanzen, deren Anwendung durch die Erfahrungsheilkunde begründet ist. Für die meisten dieser Pflanzen gibt es heute zusätzlich den medizinisch-wissenschaftlichen Beleg ihrer Wirksamkeit und Unschädlichkeit. Die Expertenkommission E des ehemaligen BundesgesundheitsamtesHerbstlose (heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) hat in den 80er und 90er Jahren den Stand des Wissens über mehr als 150 Arzneipflanzen zusammengetragen und beurteilt. Darunter sind auch pflanzliche Drogen, deren Anwendung zwar als relativ unschädlich gelten kann, deren Wirksamkeit aber nicht belegbar erscheint und für deren Anwendungsgebiete bessere (pflanzliche) Alternativen existieren. Diesen Heilmitteln wurde eine sog. Nullmonographie zugeordnet. Hier wären weitere Untersuchungen wünschenswert, damit eventuell wertvolle Naturheilmittel nicht für immer verloren gehen.

In anderen Fällen können Arzneipflanzen aber auch schädliche Nebenwirkungen aufweisen, die in keinem Verhältnis zur erzielbaren Heilwirkung stehen. Diese pflanzlichen Heilmittel sind von der Kommission E mit einer Negativmonographie versehen worden. Sie sollten auf keinen Fall mehr zur Anwendung kommen.

Eisenkraut und Echter Ehrenpreis, zwei in der Volksmedizin hoch angesehene Heilkräuter, wurden z. B. mit einer Nullmonographie belegt. Beide finden traditionell Verwendung bei Erkrankungen im Bereich der Atemwege, des Magen-Darmtraktes, der Leber und der Niere, bei Gicht, Rheuma und nervösen Störungen, äußerlich auch zur Wundheilung. Eisenkraut wurde darüber hinaus zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt.

Obwohl eine risikolose Anwendung möglich ist, kann zur Zeit eine therapeutische Verwendung nicht befürwortet werden, da für diese Anwendungsgebiete besser geeignete und auch besser untersuchte Arzneipflanzen zur Verfügung stehen.

Beispiele für Pflanzen, deren Wirksamkeit zwar nachgewiesen ist, deren Risiken aber überwiegen, sind Wurmfarn, Zaunrübe und Oleander:

Der Wurmfarn wurde früher gegen Bandwurmbefall eingesetzt. Die Nebenwirkungen reichten von Herzstörungen über schwere Krämpfe bis hin zu Sehstörungen mit Erblindungen. Es liegen auch Berichte von Vergiftungen mit tödlichem Ausgang vor!

Ähnlich brisant ist die Einnahme von Zubereitungen aus der Zaunrübenwurzel. Sie wurde früher als sehr starkes Abführ- und Brechmittel (sog. Drastikum) genutzt. Schwindel, Krämpfe, Nierenschäden und blutige Durchfälle waren nicht selten die Folge!

Zubereitungen aus Oleanderblättern galten als probates Mittel gegen Herzbeschwerden. Der Wirkstoffgehalt in den Blättern ist aber starken Schwankungen unterworfen. Eine Überdosis kann tödliche Folgen haben.

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